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"Wenn Du Deinen Mund aufmachen kannst, dann mach ihn auf!"
Interview mit Katharina Thalbach
Vorsitzende der deutschen CIVIS-Fernsehjury 2004
Frau Thalbach, Sie sind als Schauspielerin und Bühnenregisseurin in Deutschland berühmt. An gesellschaftlichen Diskussionen haben Sie sich bisher nicht beteiligt. Sind Sie der Ansicht, Künstler sollten bei gesellschaftlichen Themen eher zurückhaltend sein?
Überhaupt nicht! Ich habe in Köln Plakate gesehen, auf denen die Kollegen Behrend und Bär mit den Worten "Schau hin - misch Dich ein" zur aktiven Bürgerbeteiligung aufrufen. Ich finde das sehr gut! Die beiden Tatort-Kommissare sind für viele Identifikationsfiguren. Wenn Behrend und Bär aus ihrer Rolle heraus den Mund aufmachen für mehr Gerechtigkeit, dann ist das nur zu unterstützen. Natürlich sprechen da in erster Linie die Tatort-Kommissare und nicht die beiden Schauspieler. Trotzdem ist die Idee gut. Wir brauchen mehr Zivilcourage.
Ich komme aus Ost-Berlin und da hatten wir nicht so viele Fremde. Die ausländischen Studenten, zumeist Afrikaner und Vietnamesen lebten in Leipzig. Wenn wir mit denen Kontakt hatten, war das schon eine kleine Republikflucht. In der abgeschotteten DDR war es etwas besonderes, Kontakt mit Fremden zu haben. Die heutige Bundesrepublik ist eine ganz andere Gesellschaft. Manchmal macht mir das Angst. Das kapitalistische ist ja ein ganz bizarres System, da geht die Ethik verloren. Das ist das eigentlich Erschreckende.
Sie haben den Vorsitz der deutschen CIVIS-Fernsehjury in diesem Jahr übernommen? Was reizt Sie an der Aufgabe?
Die Idee Filme auszuzeichnen, die sich mit Themen beschäftigten, die uns alle angehen und unsere gemeinsame Zukunft bestimmen, fand ich wunderbar. In einer Jury zu sitzen war für mich eine absolute Premiere. Ich habe so etwas noch nie gemacht und dabei war der Juryvorsitz gar nicht so wichtig. Zu Beginn der Sitzung war es wie der erste Schritt in eine neue Schule. Aber ich hatte erfahrene Jurymitglieder an meiner Seite und ein tolles Team. Es hat mir großen Spaß gemacht.
Zuwanderung und Integration sind wichtige Themen. Informiert das Fernsehen in Deutschland umfassend genug über den Wandel in unserer Gesellschaft? Was ist Ihr Eindruck?
Wenn ich an Amerika denke, etwa an New York - dann haben wir noch viel aufzuholen. Es wird viel gemacht, aber es reicht noch nicht. Wir haben erfolgreiche Filmemacher, die aus der Türkei stammen oder auch sehr gute Comedians. Aber schauen Sie sich doch um, es fehlt noch immer am multikulturellen Miteinander. In Holland oder Frankreich ist das Fernsehen viel bunter, multikultureller. Gerade im Fußball: was wäre der französische Fußball ohne die Spieler, die aus Algerien stammen? Ich liebe Fußball und freue mich, das wir Deutschen das langsam nachmachen.
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CIVIS - Nominierte und Preisträger  |
2010 Berlin 

2009 Berlin 

2008 Ljubljana 

2007 Berlin 
 2006 Berlin 
 2005 Straßburg  |
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