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Interview

Rechte: SWR/Dirk Guldner

"Ich habe 40 Jahre als Ausländer gelebt."

Interview mit Frank Elstner dem Vorsitzenden der
europäischen CIVIS-Fernsehjury

Herr Elstner, Sie haben den Vorsitz der europäischen CIVIS-Fernsehjury in diesem Jahr erneut übernommen. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Ich habe 40 Jahre als Ausländer in einem anderen Land gelebt und dadurch einen sehr persönlichen Zugang zum Thema multikulturelles Zusammenleben. Auch in Deutschland werden wir uns auf Zuwanderung einstellen müssen. Die großen Parteien haben jetzt endlich einen Kompromiss in dieser wichtigen Frage gefunden und das freut mich. Dass auch das Fernsehen sich hier seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist und diese Verantwortung öffentlich deutlich macht, ist wichtig und das unterstütze ich gerne. Selbstverständlich freue ich mich auch über das Vertrauen, das man mir mit dem Juryvorsitz erneut entgegenbringt.

Sie haben viel internationale Erfahrungen mit großen Fernsehproduktionen im In- und Ausland. Was können die Medien für die Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen leisten?

Sehr viel. Sie sollen uns informieren und aufklären. Zum Beispiel können Sie uns eindringlich vor Augen führen, was noch immer an den europäischen Außengrenzen der EU passiert. Ich habe im vergangenen Jahr einen Fernsehfilm gesehen, der mich tief bewegt hat. Ein Film über die größte Schiffskatastrophe der Nachkriegszeit im Mittelmeer. Da ertrinken 283 Flüchtlinge aus Indien, Sri Lanka und Pakistan ein paar Seemeilen vor der sizilianischen Küste jämmerlich und niemand nimmt Notiz davon. Von Menschen- schmugglern während eines Sturms in einem viel zu kleinen Beiboot ausgesetzt, sterben die Menschen, ohne dass auch nur der Versuch gemacht wird, sie zu retten. Die Tragödie wird totgeschwiegen, obwohl die Fischer an dieser südlichsten Ecke Siziliens jahrelang mit ihren Netzen Leichen oder was von den Menschen übrig geblieben ist, aus dem Meer holen. Ein Fischer bricht dann doch das Schweigen und zwei deutsche Reporter machen den ganzen schrecklichen Vorfall bekannt. Mich hat ihre Fernseh-Dokumentation sehr beeindruckt und anderen ging es auch so. Wir können etwas bewegen, wenn wir uns des Themas richtig annehmen. Die Dokumentation hat 2003 den europäischen CIVIS Medienpreis gewonnen.

Ihr soziales Engagement bei der ARD Fernsehlotterie als Botschafter der guten Taten ist bekannt. Wollen Sie als prominenter Moderator auch bei anderen Themen in Zukunft öffentlich wirken?

Jeder der in einem öffentlichen Beruf arbeitet, kann sich einem derart wichtigen Engagement für das gesellschaftliche Zusammenleben nicht widersetzen. Ich bin überzeugt, dass ich mein Publikum für das Thema Integration und den Umgang mit Minderheiten sensibilisieren kann. In meiner Fernsehsendung "Menschen der Woche" beim SWR greife ich, wann immer ich kann, Themen des multikulturellen Zusammenlebens auf.

Die Rundfunkanstalten in Europa berichten in ihren Programmen bereits viel über Integration und kulturelle Vielfalt. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Es wird tatsächlich viel berichtet, auch bei uns in Deutschland. Aber man geht mit dem Thema meist viel zu ernst um. Immer wieder winkt der moralische Zeigefinger. Wer sich im Ausland umschaut, sieht doch auch andere Formen: die gehen mit dem Thema leichter um. "The Kumars" etwa - eine Comedy-Talkshow der BBC - zeigt, wie man miteinander und nicht übereinander lachen kann. Stereotypen und Klischees unterschiedlicher Kulturen werden hier sehr humorvoll gegenübergestellt. Da ist der Umgang mit dem Mitbürger anderer Herkunft ganz selbstverständlich. Das Andere ist sozusagen normal. So etwas wünsche ich mir auch für unsere Programme: mehr Leichtigkeit, auch mal spielerisch mit dem Thema Integration umzugehen.

Auszeichnungen

Auszeichnungen; Rechte: CIVIS/Oliver Ziebe
CIVIS - Nominierte und Preisträger 

Preisverleihungen

Fernsehen; Rechte: CIVIS/Andrea Kremper
2010 Berlin 

2009 Berlin 

2008 Ljubljana 

2007 Berlin 

2006 Berlin 

2005 Straßburg 

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