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CIVIS Dialoge 2009:
Demokratie, Religion und Medien
Die neue Veranstaltungsreihe liefert Diskussionsansätze für die Arbeit der Medien zur Darstellung und Vermittlung gesellschaftlicher Konflikte.
Die Debatte über den Stellenwert pluraler Religionen für moderne Demokratien ist in vollem Gange, vor allem die Präsenz des Islam stellt Europa dabei vor neue Herausforderungen. Kontrovers diskutiert werden Bedeutung und Zukunft der traditionellen Wertvorstellungen für die westlichen Demokratien und ihre säkularen Wertesysteme.
Die "CIVIS Dialoge 2009" starten auf Anregung des ORF in Wien und wollen in Gesprächen mit hochrangigen Politikern und wichtigen Vertretern kultureller und religiöser Gruppen neue Diskussionsansätze für die Arbeit der Medien liefern.
Prof. Dr. Stefano Allievi Conflicts over Mosques in Europe Policy issues and trends
Ethnobarometer (Rom) Europäische Studie [PDF]

CIVIS Dialoge - Inhalt [PDF]
Bildergalerie CIVIS Dialoge 2009

ORF TV-Berichterstattung über die CIVIS Dialoge 2009

ORF Radio-Berichterstattung
Am 7. Oktober 2009, fand auf Einladung des Österreichischen Rundfunks (ORF) gemeinsam mit der CIVIS Medienstiftung für Integration und kulturelle Vielfalt in Europa, der Freudenberg Stiftung, der Konrad & Ria Groeben-Stiftung und der Herbert Quandt-Stiftung die erste Veranstaltung der neuen "CIVIS Dialoge" zum Thema "Demokratie, Religion und Medien" im ORF-Zentrum Wien statt.
Monika Piel forderte die Medien auf, bei der Thematik genau hinzuschauen, und als kritischer Mittler zu fungieren.
Dr. Reinhard Scolik, ORF, und Michael Radix, Geschäftsführer der CIVIS Medienstiftung, begrüßten im ORF-Zentrum WDR Intendantin Monika Piel und Mufti Dr. Nedzad Grabus, Präsident der Mesihat der Islamischen Gemeinde in Slowenien, sowie Christian Petry, den Geschäftsführer der Freudenberg Stiftung und Vorstand der Groeben-Stiftung wie den Stiftungsrat der Herbert Quandt-Stiftung, Prof. Dr. Hermann Schäfer.
Prof. Dr. Georg Ruhrmann, Prof. Dr. Stefano Allievi, Ingrid Thurnher, Prof. Dr. Bärbel Beinhauer-Köhler, Prof. Dr. Andreas Zick
Im Rahmen der Informations-veranstaltung der "CIVIS Dialoge 2009" wurden unter anderem zwei neue europäische Studien von Prof. Dr. Stefano Allievi zur anhaltenden Diskussion um den Bau von Moscheen und Minaretten in westlichen Städten und von Prof. Dr. Andreas Zick und Dr. Beate Küpper zu religiösen Vorurteilen in Europa erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Neue Studie: Good Conflicts and Bad Conflicts - Mosques and Minarets
Dass der Moscheenbau auch unser eigenes Bild vom Islam berührt, verdeutlichte Prof. Dr. Allievi.
Prof. Dr. Stefano Allievi, Department of Sociology, University of Padua, untersuchte Konflikte im Zusammenhang mit Islam und Muslimen in sieben europäischen Staaten und 24 Städten und die Frage, warum sich solche Probleme in der einen Stadt positiv, in der anderen unter vergleichbaren Bedingungen negativ entwickeln. 18 Millionen Muslimen in Europa stehen rund 11.000 Moscheen und Bethäuser zur Verfügung. Der Neu- und Ausbau von Moscheen und Minaretten führt in vielen Orten zu nachhaltigen Störungen des politischen Klimas - in anderen zu deutlichen Verbesserungen im Zusammenleben. "Es geht in der anhaltenden Diskussion häufig gar nicht so sehr um Moscheen und Minarette per se, sondern vielmehr um Macht und Symbole der Macht. In Wirklichkeit geht es um unser allgemeines Problem mit dem Islam", so Stefano Allievi über die Ergebnisse seiner Untersuchung. Trotz ablehnender Grundeinstellung gegenüber dem Islam werden Muslime - das zeigt die neue Studie - in einigen Gemeinden am Ende besser integriert und akzeptiert als zu Beginn der Auseinandersetzung. Die europäische Studie des "Ethnobarometer" (Rom) wurde im Auftrag des "Network of European Foundations", der Groeben-Stiftung und der Freudenberg-Stiftung erstellt.
Neue Studie: Gefährliche Religion - Gefährdete Gläubige
Prof. Dr. Zick stellte eine viel diskutierte These auf: Je mehr Religiosität, umso mehr Fremdenfeindlichkeit.
Prof. Dr. Andreas Zick und Dr. Beate Küpper, Interdisziplinäres Institut für Konflikt und Gewaltforschung, Universität Bielefeld, gingen in ihrer Studie den Fragen nach, wie tolerant, menschenfreundlich oder feindselig sich religiöse Menschen, die sich selbst als religiös bezeichnen, gegenüber anderen äußern und wie sich nichtreligiöse Menschen verhalten. Die bisher größte empirische Studie über Vorurteile in Europa analysiert Ursachen und Folgen von Vorurteilen wie die Abwertung und Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit. Die Studie zeigt, dass religiöse Menschen im Durchschnitt signifikant fremdenfeindlicher sind als Nichtreligiöse und demnach in der Tendenz eher solche Einstellungen vertreten, welche die Ungleichwertigkeit anderer religiöser Gruppen, aber auch anderer ethnisch-kultureller Gruppen unterstreichen. "34 Prozent der Europäer, die einer bestimmten Religion angehören, stimmen einem Überlegenheitsanspruch eben dieser Religion zu, wobei der Prozentsatz mit der allgemeinen Religiosität zunimmt und in den katholisch geprägten Ländern noch höher ist", so Prof. Dr. Zick bei der Präsentation der Ergebnisse. "All jene, die einen einzigartigen Wahrheitsanspruch für ihre Religion erheben, vertreten besonders häufig auch abwertende Einstellungen gegenüber Frauen, homosexuellen Personen, Juden oder Muslimen."
Prof. Dr. Georg Ruhrmann: Es gibt eine zweigeteilte Medienlandschaft in Deutschland
Dass es eine zweigeteilte Medienlandschaft in Deutschland bei der Behandlung integrationsspezifischer wie auch anderer politischer Themen gebe, verdeutlichte Prof. Dr. Georg Ruhrmann vom Lehrstuhl für mediale Kommunikation und Medienwirkung an der Universität Jena. Während die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Berichterstattung in diesen Bereichen ausbauten, sei bei den Privatsendern der gegenläufige Trend zu beobachten.
"CIVIS Dialoge 2009" in der Hofburg Vienna
Oberrabbiner Prof. Paul Eisenberg, ORF-General- direktor Dr. Alexander Wrabetz, WDR-Intendantin Monika Piel, Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, ORF Fernsehmoderatorin Ingrid Thurnher, Kardinal Dr. Christoph Schönborn, Mufti Dr. Nedzad Grabus.
Genügend Diskussionsstoff für die hochrangige Gesprächsrunde, die sich am frühen Abend beim österreichischen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer in der Wiener Hofburg zum Thema "Religion, Demokratie und Medien" traf. Unter Leitung der ORF-Moderatorin Ingrid Thurnher diskutierten Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, die Vorsitzende des Kuratoriums der CIVIS Medienstiftung, WDR-Intendantin Monika Piel, ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz, der Erzbischof von Wien und Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Dr. Christoph Schönborn, der Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Prof. Paul Chaim Eisenberg und der Präsident der Mesihat der Islamischen Gemeinde in Slowenien, Mufti Dr. Nedzad Grabus. Die Diskussion wurde im weiteren Verlauf in das Auditorium erweitert.
CIVIS Geschäftsführer Michael Radix: Islam stellt Europa vor neue Herausforderungen
Schon während seiner Begrüßung im ORF-Zentrum hatte der Geschäftsführer der CIVIS Medienstiftung, Michael Radix, deutlich gemacht, dass der Islam Europa vor neue Herausforderungen stelle. Kultur und Religion seien nicht statisch, sondern einem Prozess ständiger Veränderung unterworfen. "Spiegelt sich das in unseren Medien ausreichend wider, bilden wir diese Entwicklung ausreichend ab?", hatte er gefragt.
Österreichs Bundespräsident Dr. Heinz Fischer war der Auffassung, dass der multi-konfessionellen Situation in Europa Rechnung getragen werden müsse.
Die große Verantwortung der Medien betonte auch der österreichische Bundespräsident Dr. Heinz Fischer. Es sei "problematisch und bedauerlich", dass es auf politischer Ebene immer wieder Tendenzen gebe, aus Gegensätzen zwischen Religionsgemeinschaften Profit schlagen zu wollen. "Medien dürfen sich auf keinen Fall von Politikern oder einzelnen Interessengruppen dafür einspannen lassen", forderte das Staatsoberhaupt.
Österreich habe bereits seit 1912 die staatliche Anerkennung aller im Land lebenden Religionsgemeinschaften gesetzlich geregelt. Längst müsse konstatiert werden, dass in Europa aus der weitgehend mono-konfessionellen Situation Mitte des vergangenen Jahrhunderts eine multi-konfessionelle Lage entstanden sei. Zu weiterem Fortschritt im Dialog der Religionen komme es aber nur mit vertrauensbildenden Maßnahmen, die zum Ziel haben müssten, Konflikte zu benennen, Unterschiede anzuerkennen, aber auch Lösungen zu befördern. Auf die Frage, ob Österreich in seinem Umgang mit unterschiedlichen Religionen als "Modell für Europa" dienen könne, äußerte sich der Bundespräsident zögerlich: Heute sei die Situation diesbezüglich "schwieriger als vor zehn Jahren", und niemand wisse, wie die Lage in fünf Jahren aussehen werde.
Dr. Alexander Wrabetz und Monika Piel: Demokratie, Religion und Medien sind zentrale Zukunftsthemen
"Nur öffentlich-rechtliche Medienunternehmen nehmen sich der Thematik der Integration in einem umfassenden Sinn an", betonte ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz im Rahmen der "CIVIS Dialoge 2009". "Der ORF gibt mit seinem umfangreichen Informations- und Religionsangebot, seinen Programmen für die österreichischen Volksgruppen und auch seinen fiktionalen Programmen dem Thema Integration breiten Raum." Durch die Vermittlung von Information seien soziale Fragen hinter der tagespolitischen Diskussion zu thematisieren und dadurch Ängste abzubauen. "Religion, Demokratie und Medien sind zentrale Zukunftsthemen. Dies zeigen auch die beiden im Rahmen der Veranstaltung präsentierten Studien. Die "CIVIS Dialoge" sollen Denkansätze für den Umgang mit diesem Thema in den Medien liefern", so WDR-Intendantin Monika Piel, Vorsitzende des Kuratoriums der CIVIS Medienstiftung. Den Medien käme die Pflicht zur intensiven journalistischen Begleitung der Entwicklung bei der "Rückkehr des Religiösen" in die mediale Welt zu. Journalisten müssten Mittler sein, ohne Konflikte kleinzureden, aber auch Beobachter bei Wahrung einer kritischen Distanz. Gut wäre es mehr Journalistinnen und Journalisten mit Migrationshintergrund in die Medien zu bringen. Deutsche Sender bemühten sich darum, stießen jedoch oft auf Vorurteile gegen das unter Migranten schlechte Berufsimage von Journalisten.
Kardinal Schönborn, Mufti Grabus, Rabbiner Eisenberg diskutieren in der Wiener Hofburg
Die Vertreter der Glaubensgemeinschaften betonten in der Wiener Hofburg, dass ein großer Teil der Ablehnung von Menschen gegenüber Vertretern anderer Religionen auf Unwissenheit beruhe. Der Wiener Erzbischof, Kardinal Dr. Christoph Schönborn, Mufti Dr. Nedzad Grabus, Präsident der Mesihat Islamischen Gemeinde in Slowenien wie auch Oberrabbiner Prof. Paul Chaim Eisenberg, Israelitische Kultusgemeinde Wien, waren davon überzeugt, dass Brücken des Dialogs an zahlreichen Stellen errichtet werden könnten, wenn sich Menschen bereit fänden, sich dem jeweils anderen Glauben ohne Vorurteile zu nähern. "Wir müssen in Brückenbauer investieren. Die Ignoranten sind das Problem, die Menschen, die die eigene Religion nicht verstehen - und dann natürlich auch nicht die anderen Religionen", war Mufti Dr. Grabus überzeugt. Viele Konflikte hätten gar keine religiöse Ursache, betonte der höchstrangige muslimische Geistliche Sloweniens. Ein Brückenbau verlange "einen starken Pfeiler auf der eigenen Seite", erklärte Oberrabbiner Prof. Paul Chaim Eisenberg. Es gelte zum eigenen Glauben zu stehen ohne Anspruch auf den alleinigen Besitz der Wahrheit.
"CIVIS Dialoge" im Erzbischöflichen Palais
Beim abschließenden gemeinsamen Abendessen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der "CIVIS Dialoge 2009" im Erzbischöflichen Palais betonte Kardinal Dr. Christoph Schönborn, dass der interreligiöse Dialog nicht ein Dialog der "Dissidenten" auf beiden Seiten sein darf. Es gehe vielmehr um einen Dialog aus der "Mitte der Orthodoxien". Die Einigung auf einen "kleinsten gemeinsamen Nenner" genüge nicht. Die neue Präsenz des Islam in Europa sei einerseits eine Herausforderung für gläubige Christen, sie wirke aber auch gleichsam als "Katalysator", betonte der Wiener Erzbischof. Im Zuge der Islam-Diskussion erkenne die liberale Gesellschaft, dass sie gläubige Menschen als Teil der Gesellschaft akzeptieren muss.
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