|
|
| Europäischer CIVIS Medienpreis |
Siebenmal Jubel beim CIVIS Medienpreis 2010
Der CIVIS Medienpreis für Integration und kulturelle Vielfalt hat seine Stellung als bedeutende internationale Auszeichnung eindrucksvoll unterstrichen. Das lässt sich alleine schon an beeindruckenden Zahlen festmachen: 616 Programmangebote aus 23 Ländern der Europäischen Union sowie der Schweiz. 18 Radio- und Fernsehbeiträge waren schließlich von der international besetzten, fachkundigen Jury in die engere Wahl genommen worden.
Sandra Maischberger und Juror Frank Elstner
Mit dem begehrten CIVIS Medienpreis wurden am Donnerstagabend im Rahmen einer festlichen Fernseh-Gala im Auswärtigen Amt in Berlin sieben europäische Radio- und Fernsehprogramme ausgezeichnet. Der mit insgesamt 46.000 Euro dotierte Preis ging in diesem Jahr an Produktionen der europäischen Sendeanstalten ARTE, Deutschlandradio Kultur, France 2, RBB, RTL und ZDF sowie an die National Film School of Denmark. Mit dem neuen CIVIS Online Preis war bereits Mitte April die Berliner Journalistin Simone Rafael für das Webangebot www.netz-gegen-nazis.de ausgezeichnet worden. Der CIVIS Medienpreis wird für Programmleistungen vergeben, die das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster nationaler, ethnischer, religiöser oder kultureller Herkunft fördern.
Michael Radix, Geschäftsführer CIVIS Medienstiftung
Reportagen und Dokumentationen zu Migration, Flucht- und Asylproblematik sowie Auseinandersetzungen mit dem Islam und kulturell unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen standen im Mittelpunkt zahlreicher Arbeiten. Der Geschäftsführer der CIVIS-Medienstiftung, Michael Radix, zeigte sich von der Qualität der eingereichten Beiträge sehr angetan. Der fiktionale Bereich habe in diesem Jahr "herausragende Filmproduktionen" hervorgebracht. "Insgesamt ein sehr erfreuliches, thematisch vielfältiges Programmjahr", so Radix weiter.
WDR-Intendantin und Vorsitzende des CIVIS Kuratoriums Monika Piel
WDR-Intendantin Monika Piel, Kuratoriums-Vorsitzende der CIVIS Medienstiftung, bekräftigte, dass alle Medien gefordert seien, das friedliche Zusammenleben in der europäischen Einwanderungsgesellschaft zu fördern. "Mit Ausgrenzung und Diskriminierung dürfen wir uns nie abfinden – nicht in Deutschland, nicht in Europa", bezog Piel klar Stellung. Medien müssten Menschen in die Lage versetzen, sich aufgrund seriöser und solider Informationen ein eigenes Urteil zu bilden. Konflikte dürften natürlich nicht ausgeblendet werden, "aber immer wieder wird das, was schief läuft, einseitig betont oder verzerrt dargestellt". Hier müssten Medien, so Piel, gegensteuern und zur Aufklärung beitragen.
Sandra Maischberger und Dagmar Roth-Behrendt, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments
Die Vize-Präsidentin des Europäischen Parlaments, Dagmar Roth-Behrendt, betonte, dass Integration eine ständige Verpflichtung darstelle und den Medien hier eine besondere Verantwortung zukomme. "Wenn sie nicht ständig den Finger in die Wunden legen und genau hinschauen, würden uns viele Probleme gar nicht bewusst."
Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer
Zahlreiche prominente Gäste nahmen an der von Sandra Maischberger moderierten Gala im Auswärtigen Amt teil. Zu ihnen zählte auch Staatsministerin Maria Böhmer. Schirmherren des CIVIS Medienpreises 2010 waren Bundesaußenminister Guido Westerwelle und der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek. Die Preisträger wurden von den Laudatoren der CIVIS Preisjury – Frank Elstner, Ferdos Forudastan, Cherno Jobatey und Miroslav Nemec – vorgestellt.
Sandra Maischberger und Preisträger Frédéric Castaignède
Den Europäischen CIVIS Fernsehpreis im Bereich Information erhielt der französische Autor Frédéric Castaignède für seine Dokumentation "Grand Format: La Cité des Romes" (ARTE). Castaignède schildert das Schicksal von rund 20.000 Roma, die im Ghetto von Nadejda abgeschottet hinter einer großen Betonmauer leben, getrennt von der übrigen Bevölkerung der bulgarischen Kleinstadt Sliven. "Ein politischer Film über die Mechanismen der Diskriminierung und Ausgrenzung. Eindringliche Bilder, ohne Pathos – filmisch herausragend", so die Jury.
Preisträgerin Dominique Lancelot und Dagmar Roth-Behrendt, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments
Der Europäische CIVIS Fernsehpreis im Bereich Unterhaltung ging an die Autorinnen Yamina Benguigui und Dominique Lancelot für ihren Fernsehfilm "Aïcha" (France 2). Aïcha, eine junge Pariserin algerischer Herkunft, lebt mit ihrer Familie in einer der Vorstadtsiedlungen. Sie will als Französin leben, ihren eigenen Weg gehen und entscheidet sich für ihre Unabhängigkeit, will aber auch mit ihrer Familie nicht brechen. Es beginnt ein Spagat zwischen zwei Kulturen und zwei Welten. Die Jury lobte: "Bunt, prall, humorvoll – eine detailgenaue Milieustudie, die filmisch und schauspielerisch überzeugt."
Pure Freude bei Insa Onken
Der Deutsche CIVIS Fernsehpreis im Bereich Information ging an die Journalistin Insa Onken für ihre Dokumentation "Rich Brother" (ZDF). Darin portraitiert sie den afrikanischen Boxer Ben, der sich – aus Kamerun kommend – durch die zwielichtige Berliner Boxwelt schlägt. Ben hat von seiner Familie die Chance bekommen, Europa zu erreichen. Nun werden von ihm Geld, Geschenke und lukrative Geschäftsverbindungen erwartet. Ihm wird klar, was er durch den Schritt nach Europa verloren hat. Die Jury begründete: "Ein bewegender Film – sehr authentisch. Eine herausragende filmische Leistung."
Ein Mann mit Wortwitz und Charme: Bülent Ceylan
Mit dem Deutschen CIVIS Fernsehpreis im Bereich Unterhaltung wurde der deutsch-türkische Comedian und Kabarettist Bülent Ceylan ausgezeichnet. In seiner Bühnenshow "Bülent Ceylan live!" (RTL Television) zeigt sich der Mannheimer mit türkischen Wurzeln als ein Mann mit vielen Gesichtern und Stimmen. Seine Figuren reden Klartext, seine Zeitgeist-Analysen treffen. Bülent Ceylan nimmt in seiner Best-Of-Show türkische wie deutsche Landsleute auf den Arm. "Gewitzt und charmant – ein intelligentes Spiel zum Thema Integration", lobte die Jury.
Sandra Maischberger und Preisträger Inge Braun und Helmut Huber
Der Europäische CIVIS Radiopreis im Bereich lange Programme ab sechs Minuten ging an die Autoren Inge Braun und Helmut Huber für "Werd ich mit Singen deutsch? Ein Feature zur Einbürgerung" (Deutschlandradio Kultur in Koproduktion mit NDR und RBB). Das Stück erzählt von einer Einbürgerungsfeier in Berlin-Neukölln, die mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne endet. Wer Deutscher bzw. Deutsche werden will, muss sich auf bürokratische Prozeduren und Tests einstellen. Das Feature folgt dem Weg von der Antragstellung bis zum feierlichen Gelübde der "neuen Deutschen" – mit zahlreichen Migrations- und Einwanderungsgeschichten. Für die Jury ist das Feature "facettenreich, humorvoll – von hoher radiophoner Qualität".
Preisträgerin Magdalena Bienert und Erik Bettermann, Intendant der Deutschen Welle
Mit dem Europäischen CIVIS Radiopreis im Bereich kurze Programme bis sechs Minuten wurde die Hörfunkjournalistin Magdalena Bienert für ihr Feature "Radiofritzen am Nachmittag: Ein blutiges Laken – Deine ganze Zukunft. Von neuer Unschuld für eine Nacht" (RBB Fritz) ausgezeichnet. Magdalena Bienert erzählt die Geschichte der 20-jährigen Muslima Leyla, die ihre Unschuld verloren hat. Damit bricht Leyla die Familientradition, jungfräulich in die Ehe zu gehen. Leyla muss ihre Ehre retten, bevor sie mit einem Cousin verheiratet wird. Aus Verzweiflung entscheidet sie sich zur Rekonstruktion ihres Jungfernhäutchens. Sie hofft, nach der Hochzeitsnacht ihrer Familie so das alles entscheidende blutige Laken präsentieren zu können. "Weder kitschig, noch peinlich – inhaltlich wie formal sehr beeindruckend", urteilte die Jury. Gerade die kurze Sendeform sei besonders geeignet, ein Massenpublikum positiv anzusprechen.
Sandra Maischberger und Preisträgerin Katrine Philp
Der Förderpreis European Young CIVIS Media Prize ging an die Autorin Katrine Philp für ihre Dokumentation "Book of Miri" (The National Film School of Denmark). Katrine Philp begleitet Miri, die allein lebt und auf Selbstsuche ist. In Korea geboren, wird sie im Alter von drei Jahren von ihren schwedischen Eltern adoptiert. Philp lässt die Fotocollage eines virtuellen Lebens entstehen. "Provisorisch, unperfekt – großartig und emotional ergreifend", so die Jury.
Eine lobende Erwähnung holte sich in Berlin das regionale ORF-Informationsmagazin "Wien heute".
|
|
Sonia Seymour Mikich 

|
TV Gala in Berlin - Gäste  |
CIVIS - Nominierte und Preisträger  |
Demokratie, Religion und Medien  |
Programmkonferenz - Die Einwanderungsgesellschaft in den Medien  |
Analysen, Studien und Dokumentationen  |
2010 Berlin 

2009 Berlin 

2008 Ljubljana 

2007 Berlin 
 2006 Berlin 
 2005 Straßburg  |
|