GESCHICHTE

Der Anfang des CIVIS-Projekts fiel in die Zeit, als Einwanderer noch „Gastarbeiter“ genannt wurden. Zwischen Alteingesessenen und vermeintlich nur vorübergehend Mitanwesenden schien eine klare Trennlinie zu verlaufen. Der erste CIVIS Preis, verliehen 1988 gemeinsam von der Ausländerbeauftragten Liselotte Funcke, der Freudenberg Stiftung und dem WDR im Namen der ARD, zeichnete „Verständigung mit Ausländern“ aus. Schon Bundespräsident Richard von Weizsäcker machte indes darauf aufmerksam, dass es mit der schlichten Gegenüberstellung von „Wir“ und „Die“ nicht getan ist.

Spätestens mit den rassistischen Anschlägen und Pogromen von Hoyerswerda, Hünxe, Rostock-Lichtenhagen, Solingen und Mölln wurde klar: Rassismus ist kein erledigter Fall, das Übel schwärt weiter im Inneren der Gesellschaft. CIVIS erweiterte sein Instrumentarium und vernetzte sich mit weiteren Akteuren auf dem Feld der Antirassismus- und Integrationspolitik. Zielvorgabe des CIVIS Medienpreises war nunmehr das „Leben in der kulturellen Vielfalt – Achtung des Anderen“. Nicht Fürsorge machte den Leitgedanken aus, sondern Teilhabe und Partnerschaft.

Seit 2000 hat das Projekt eine ausdrücklich europäische Dimension, mit Partnern wie dem Österreichischen Rundfunk, die Schweizerische Radio und Fernsehgesellschaft (der SRG SSR), dem Slowenischen Radio und Fernsehen, Arte, der Deutschen Welle und anderen. Die jeweiligen Präsidenten Deutschlands und des Europa-Parlaments wurden Schirmherrn des Medienpreises.

Seit 2003 übernimmt die neu gegründete gemeinnützige CIVIS Medienstiftung die Organisation des CIVIS Medienpreises und der Medienkonferenzen von CIVIS. Gründungsgeschäftsführer ist Michael Radix. In den folgenden Jahren differenziert sich der jährlich verliehene Preis weiter aus und entwickelt sich zum bedeutendsten europäischen Medienpreis rund um die Themen Migration, Integration und kulturelle Vielfalt. Ab 2006 wird er in 24 Sprachen und allen Mitgliedsstaaten der EU sowie der Schweiz ausgeschrieben.

Mit einer Zu- und Einwanderung neuer Dimension rückt das Thema Integration in der gesellschaftlichen Agenda nach ganz oben. Es wird immer offenkundiger, wie künstlich die Trennlinie zwischen dem „Wir“ und dem „Die“ ist. Längst hat sie einem dichten Gewebe aus Traditionen und Religionen, Weltanschauungen und Ideologien Platz gemacht. Es ist aufreibend, es ist aufregend. Und überall stellt sich angesichts von Demagogie und Populismus die Aufgabe, gegenzuhalten gegen Ressentiment, Hass und Gewalt. Die CIVIS Medienstiftung versteht sich als Teil dieser Anstrengung.