CIVIS Preisträger 2019

CIVIS – Europas Medienpreis für Migration, Integration und kulturelle Vielfalt zeichnet Programmleistungen im Radio, Film, Fernsehen und Internet aus, die das friedliche Zusammenleben in der europäischen Einwanderungsgesellschaft fördern. Der in diesem Jahr erneut mit dem DFB gemeinsam veranstaltete Sonderpreis "Fußball + Integration" wie der CIVIS Kinopreis als Publikumspreis kommen hinzu.
     

Kippa

Kurzfilm
Hamburg Media School | NDR
Autor: Lukas Nathrath
Prüfungskommission: Prof. Richard Reitinger
Koproduktion: Christian Granderath, Sabine Holtgreve (NDR)

Inhalt: Der 14-jährige Oskar wird brutal drangsaliert, nachdem seine Mitschüler erfahren, dass er jüdisch ist. Die Attacken werden immer bedrohlicher. Seine Mitschüler zwingen ihn, eine israelische Flagge anzuzünden. Während der Schulleiter die Appelle seiner Eltern ignoriert, sucht Oskar eigene Wege, mit den Demütigungen umzugehen und zu seiner Identität zu stehen. Der Kurzfilm erzählt – basierend auf einem wahren Fall – von antisemitischem Mobbing und Gewalttätigkeiten gegen einen jüdischen Mitschüler an einer deutschen Schule. Ein brisantes Thema, hochaktuell – filmisch und schauspielerisch herausragend. Dem Film ist ein breites Publikum zu wünschen.

Jurybegründung: Ein unbequemer hochaktueller Film über antisemitische Phänomene in Deutschland. Basierend auf einem wahren Fall, thematisiert der filmisch und schauspielerisch herausragende Kurzspielfilm Mobbing und Gewalttätigkeiten gegen einen jüdischen Mitschüler. Er zeigt das ignorante Unvermögen der deutschen Schule und die Verharmlosung der brutalen Übergriffe. Identität und Selbstbehauptungswille des angegriffenen Schülers fokussieren ein politisch hochbrisantes Thema. Der Film stellt wichtige Fragen nach der Integrationsleistung der deutschen Gesellschaft. Filmisch und schauspielerisch beeindruckend. Dem Film ist ein breites Publikum zu wünschen.

Das kleine Fernsehspiel - Als Paul über das Meer kam

Dokumentarfilm
ZDF | ZDF Info | Weydemann Bros.
Autor, Regie: Jakob Preuss
Redaktion: Diana Kraus, Milena Seyberth
Produktion: Jakob Weydemann, Jonas Weydemann

Inhalt: Ein Dokumentarfilm, der bewusst Grenzen überschreitet. Paul Nkamani hat sich durch die Sahara bis an die Künste Marokkos durchgeschlagen. Hier lernen sich Paul und der Filmemacher Jakob Preuss kennen. Bald darauf gelingt es Paul, in einem Schlauchboot nach Spanien überzusetzen. Er überlebt – doch die Hälfte seiner Mitreisenden stirbt bei der zweitägigen Odyssee. Als Paul in Spanien beschließt, weiter nach Deutschland zu reisen, muss Jakob sich entscheiden: soll er Paul aktiv helfen oder der beobachtende Dokumentarfilmer bleiben? Konflikte zwischen Protagonist und Filmemacher werden offen reflektiert – desillusionierend, ungewöhnlich, herausragend.

Jurybegründung: Ein Film über menschliche Begegnungen. Eine ungewöhnliche Fluchtgeschichte. Ein Dokumentarfilm der seinem Protagonisten sehr nahe kommt und dessen Befindlichkeit sensibel darstellt. Cartoons verdeutlichen das filmisch nicht darstellbare Grauen. Ein bewegendes und medial vielgestaltiges Protokoll individueller Entscheidung. Paul Nkamani gibt Einblick in seine Hoffnungen und Wünsche – stellt auch klare Forderungen. Die Konflikte zwischen ihm und dem Filmemacher werden offen reflektiert. Die Grenzen des protokollierenden Journalismus zwischen Dokumentation und erwarteter Hilfeleistung werden deutlich. Ein herausragender Film.

Krieg der Träume 6

Fernsehserie
LOOKS Film & TV Produktionen | SWR/ARD | ARTE u.a.
Autoren | Regie: Jan Peter, Frédéric Goupil
Co-Autor: Jean-Luis Schlesser
Redaktion: Gerolf Karwath (SWR – federführend) u.a.
Produktion: LOOKSfilm, Iris Group, Les Films d’Ici, mit Fortis Imaginatio

Inhalt: Ende des Ersten Weltkriegs 1918: Mit dem Untergang der Monarchien und der Gründung neuer Staaten wird Europa zu einem Labor neuer Ideen, Hoffnungen und Gesellschaftsentwürfe. Demokraten, Kommunisten und Faschisten konkurrieren um die Vorherrschaft. Was das für die Menschen bedeutet, zeigt die Dramaserie „Krieg der Träume“. Aufwändig inszeniert und mit dokumentarischen Film- und Fotomaterial verdichtet, werden die Hoffnungen der Menschen in der Zwischenkriegszeit aus verschiedenen nationalen Perspektiven sichtbar und auch Parallelen zu heute deutlich. Hochaktuell, filmisch und schauspielerisch meisterhaft, exzellent recherchiert.

Jurybegründung: Eine großartige Fernsehserie: spannend, hochaktuell, filmisch und schauspielerisch herausragend. Ein europäischer Film, der die Verführbarkeit und Begeisterungsfähigkeit der Menschen durch populistische Parolen und Propaganda aus verschiedenen nationalen Perspektiven zeigt. Parallelen zu heute werden spürbar (Folge 6 | Versprechen). Exzellent recherchiert, mit ungewöhnlich eindrucksvollen Bild- Collagen, liefert die Dramaserie in unterschiedlichen Lebenswegen die erschütternde Erfahrung illiberaler autoritärer Strukturen und Unterdrückung – konträres Gegenbild einer politischen und kulturell vielfältigen, integrativen Gesellschaft.

Die außergewöhnliche Produktion thematisiert 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs ein düsteres Kapitel europäischer Geschichte. Sie zeigt historisch das Erstarken von Links- und Rechtspopulisten und die Zunahme gruppenbezogener Hetze und Feindlichkeit. Sie zeigt deutlich, dass jeder einzelne mit verantwortlich ist für die gesellschaftlichen und politische Entwicklungen in seiner Zeit.

Boomerang

Fernsehfilm
Alva Film Production | Need Productions | Radio Télévision Suisse (RTS)
Autorinnen: Jacqueline Surchat, Nicole Borgeat
Regie: Nicole Borgeat
Redaktion/Produktion: Britta Rindelaub, Anna Laure Guegan, Géraldine Sprimont, Francoise Mayor, Izabela Rieben, Patrick Suhner

Inhalt: Vergnügliche Komödie mit ernstem Hintergrund. Der junge, ehrgeizige und fremdenfeindliche Politiker Theo ist mitten in einer wegweisenden Kampagne für seine Karriere in einer populistischen rechtsgerichteten Partei. Doch eines Tages erwacht er in der Haut der asylsuchenden muslimischen Beriwan, die bei ihm putzt. Die Kurdin ihrerseits steckt im Körper Theos fest. Aus dem Alptraum können beide nur erwachen, wenn sie sich zusammen tun. Schaffen sie es, ihre gegenseitigen Vorurteile beiseite zu schieben, um nicht alles zu verlieren? Identität und Integration: selbstironisch, ohne falsche Rücksicht - humorvoll, temporeich, starke Bilder, schauspielerisch beeindruckend.

Jurybegründung: Eine höchst amüsante überraschende Komödie über Identität und Integration. Im Körper des jeweils anderen müssen sich ein fremdenfeindlicher Politiker und eine asylsuchende Muslimin ihren gegenseitigen Vorurteilen stellen. Eine fantasievolle Utopie, erkenntnisreich mit schwungvollen Dialogen, bestechendem Wortwitz und herausragenden Schauspielern. Temporeich, selbstironisch und ohne falsche Rücksicht. Ein großartiger Film.

Europamagazin: Italien/Frankreich: Flüchtlingsretter in den Alpen

Reportage
SWR | ARD/Das Erste
Autorin: Lourdes Picareta
Redaktion: Johannes Georg Müller

Inhalt: Auch im Winter versuchen Menschen aus afrikanischen Ländern, die Alpenpässe zu überwinden. Flüchtlinge finden immer einen Weg. Egal, wie viele Flüchtlingsrouten geschlossen werden, wie groß die Abschottung ist, die Europas Regierungen verfügt haben. Es gibt Bewohner aus den Bergdörfern die ihnen helfen – und sich damit strafbar machen. Europäisches Recht verbietet, dass Privatpersonen Flüchtlingen helfen, selbst wenn diese sich in Lebensgefahr bringen. Man habe eine Verantwortung für die Menschen, sagen die Helfer. Sie seien keine Schleuser. Ein ganz normales Dorf mit außergewöhnlichen Menschen – exzellente Reportage, von hoher politischer Relevanz.

Jurybegründung: Die beeindruckende Kurzreportage zeigt ein ganz normales Dorf, mit außergewöhnlichen Menschen. Die Bewohner stehen für ein nicht ausgrenzendes humanistisches Menschenbild. Menschlichkeit und Grausamkeit treffen im Film in enormer Verdichtung aufeinander. Ein Magazinbeitrag von hoher politischer Relevanz, der eine weitgehend unbeachtete menschliche Katastrophe in den Alpen zeigt. Eindrucksvolle, starke Bilder - eine exzellente journalistische Leistung.

Ö 1 Morgenjournal: Asylquartier „wie ein Gefängnis – eine Schande für Österreich“

Interview
ORF/ Ö1
Autoren: Paul Schiefer, Bernt Koschuh
Regie: Barbara Weinzierl
Redaktion: Paul Schiefer, Bernt Koschuh

Content: Eine Unterkunft für auffällige, unbegleitete Minderjährige mit negativem Asylbescheid. Das Quartier in Drasenhofen ist mit Stacheldraht umzäunt, die Jugendlichen dürfen es nur eine Stunde am Tag und in Begleitung von Sicherheitskräften verlassen. Eine strukturlose Aufbewahrung unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts des Freiheits-entzugs. Das Asylquartier ist von dem Asyllandesrat von Niederösterreich Gottfried Waldhäusl (FPÖ) für „notorische Unruhestifter“ eingerichtet worden. Eine beeindruckende journalistische Leistung, die Wirkung zeigt - kritisch, sachlich, eindeutig.

Jurybegründung: Ein beeindruckendes aktuelles Live-Interview mit dem Asyllandesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ). Sehr sachlich geführt, kritisch und reaktionssicher - von hohem Erkenntnisinteresse. Der Standpunkt des Interview-partners wird in kurzer Zeit kontrastreich deutlich gemacht. Den Zuhörenden bleibt Raum, sich ihre eigene Meinung zu bilden. Eine journalistische Leistung, die über das Radiophone hinweg politisch Wirkung zeigt. Das Asylquartier wurde noch am gleichen Tag von der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) geschlossen.

Feature: Bella Palanka –Abgeschoben ins serbische Nirgendwo

Feature
Deutschlandradio / Deutschlandfunk Kultur
Autorin, Regie: Johanna Bentz
Redaktion: Ingo Kottkamp

Inhalt: Nach einer Haftstrafe von mehr als drei Jahren schiebt Deutschland „kriminelle Ausländer“ in ihre Herkunftsländer ab. Doch was, wenn dort kein Zuhause mehr zu finden ist? Emrah Gradina, 28 Jahre alt, muss sich ein neues Leben in Serbien aufbauen. 22 Jahre seines Lebens hat er in Deutschland verbracht, spricht nur gebrochen serbisch und ist nun völlig auf sich allein gestellt. Das Feature macht Emrah zum Erzähler seines Lebens. Es zeigt Versuche eines Neuanfangs, spart aber auch seine schwierige Vergangenheit in Deutschland nicht aus. Ein einfühlsames audiophones Porträt, beeindruckend, nah dran – erzählt eine Geschichte, von der wir oft nur den Anfang kennen.

Jurybegründung: Das Hörfunkfeature erzählt eine Geschichte, von der wir oft nur den Anfang kennen. Was geschieht mit Menschen nach ihrer Abschiebung? Porträtiert wird der 22-jährige Emrah, der in dem serbischen Dorf Bella Palanka in einem Auffanglager für abgeschobene Straftäter lebt. Das Feature gibt in knapper und präziser Sprache einfühlsam Einblick in die Atmosphäre und perspektivlose Lebenswelt des jungen Mannes – ungeachtet aller Schuldfragen. Die Rolle der Autorin zwischen Nähe und Distanz zu ihrem Protagonisten wird deutlich thematisiert. Eine großartige audiophone Leistung - hochinformativ, exzellent produziert.

Weitwinkel | Die Visual Story im Digitalen Spiegel: Festung Osteuropa: Der letzte Gegner

https://magazin.spiegel.de/SP/2018/45/160492996/multimedia/801_spiegel_vs_bosnien/content/index.html
Webangebot
Spiegel Online
Vertretungsberechtigt: Bartholomäus von Laffert
Konzeption | Realisation: Moritz Richter, Paul Lovis Wagner, Bartholomäus von Laffert
Redaktion: Jens Radü

Inhalt: Wohin führt die Abschottung der EU? Während über die Situation der Migrantinnen und Migranten auf dem Mittelmeer und in Europa ausgiebig berichtet wird, erhält die Entwicklung an der östlichen Außengrenze der Union wenig mediale Aufmerksamkeit. Was bewegt die Menschen, die dort leben und arbeiten? Was sind es für Menschen, die die Grenzanlagen zu überwinden versuchen und wer verteidigt die Grenzen eigentlich? „Der letzte Gegner“ ist eine von vier Multimediageschichten entlang der osteuropäischen Außengrenze im Herbst 2018. Hochaktuell – exzellente crossmediale Aufbereitung, dramaturgisch beeindruckend.

Jurybegründung: Das crossmedial exzellent aufbereite Webangebot (360°) zeigt beeindruckend die Situation und die humanitären Herausforderungen an den östlichen EU-Außengrenzen. Dramaturgisch professionell verknüpfte Interviews, Videos und präzise Textelemente geben Einblick in bewegende menschliche Schicksale und die Aufrüstung des militärischen EU-Grenzregimes hin zur „Festung Europa“. Aktuell, bildstark, faktenreich – ein journalistisch herausragende Webangebot.

Jäger & Sammler: Stadt. Land. Heimat.

https://www.facebook.com/JaegerundSammlerDE/videos/2056006768015191/
Webvideo
UFA X für funk – Content-Netzwerk ARD/ZDF
Vertretungsberechtigt: Florian Hager, Kyo Mali Jung, Ilka Brecht
Konzeption | Realisation: Mirjam Wlodawer, Tarik Tesfu, Kyo Mali Jung, Maxi Garden, Kosei Takasaki

Inhalt: Braucht Heimat ein Heimat-Ministerium? Und was bedeutet „Heimat“ überhaupt? Alles innerhalb bestimmter Grenzen – Freunde und Familie, Dackel und Biergarten? Ist es überhaupt ein Ort oder doch eher ein Gefühl? Host Tarik Tesfu reist von Bayern bis Mecklenburg: Seine Interviews zeigen, Heimat bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. Die Hilfe eines Ministeriums von Horst Seehofer braucht in Sachen Heimat eigentlich niemand. JÄGER & SAMMLER ist jung, neugierig und offensiv – ein Team, das sich meinungsstark zu gesellschaftlich relevanten Themen äußert. Heimat als eines der bestimmenden Themen – auf humorvolle, leichte und kluge Weise großartig in Szene gesetzt.

Jurybegründung: Heimat als eines der bestimmenden öffentlichen Themen – auf humorvolle, leichte und kluge Weise großartig in Szene gesetzt. Mit Anspielungen an den Heimatfilm der 50er und 60 er Jahre zeigt das bildstarke Webvideo inhaltlich überraschende Einfälle und ein selbstironisches Spiel mit Klischees. Eindrucksvoll und informativ kommt das Fazit: Heimat bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. Hochprofessionell - visuell großartig.

CIVIS SPECIAL: Fußball und Integration >TV.VIDEO<
Zlatan: For Sweden – with the times

Dokumentation
SVT | B Reel Films
Autoren: Leo Razzak, Nils Andersson
Regie: Leo Razzak
Redaktion: Nils Andersson, Olof Berglind, Nathan Grossmann
Produktion: Frederik Heinig, Pelle Nillsson

Inhalt: Zlatan Ibrahimovic, einer der weltbesten Fußballspieler, beginnt mit den Worten: „Meine Mutter ist eine kroatische Katholikin, mein Vater ist Moslem aus Bosnien. Ich fühle mich komplett schwedisch. Ich bin das neue Schweden.“ Der Dokumentarfilm zeigt den fantastischen Lebensweg des Top-Spielers aus Schwedens ärmsten Vorort Rosengard zu historischen Zielen, Gewinnen und Trophäen in der obersten Liga des Weltfußballs. Das Gefühl, mit seinem fremd klingenden Namen immer draußen zu sein, hat dennoch tiefe Spuren in ihm hinterlassen: Ein Gefühl der Ausgrenzung und des Widerstands. Ungewöhnlich, integrativ - mit einem sehr persönlichen, großartigen Interview.

Jurybegründung: Eine großartige, sehr persönliche Dokumentation über den Weltklassespieler Zlatan Ibrahimovic – mit einem beeindruckenden Interview. Der Fußballspieler ist zur personifizierten Einwanderungsgeschichte Schwedens geworden. Gegen alle Widerstände steigt er vom Straßenfußballer zum Superstar und schwedischen Nationalhelden auf. Zlatan wird zum Vorbild vieler junger Menschen mit Migrationshintergrund. Seine Botschaft: Du kannst es schaffen. Die ungewöhnliche Dokumentation verdeutlicht die Integrationskraft des europäischen Fußballsports. Formal und inhaltlich herausragend.

CIVIS SPECIAL: Fußball und Integration >AUDIO<
Das Feature: Ein Rom träumt von der Champions League – die ungarische Fußball – Legende Istvan Mezei

Feature
Deutschlandfunk
Autor: Mirko Schwanitz
Regie: Wolfgang Rindfleisch
Redaktion: Wolfgang Schiller

Inhalt: Istvan Mezei ist eine Legende in Ungarn. 1980 begleitete er das ungarische Fußball-Olympiateam nach Moskau. Wenig später gründete der Fußballaktivist die erste Roma-Mannschaft des Landes und organisierte mit Ungarns Fußballidol Janos Farkas eine Roma-Jugendliga. Als es in den 90er Jahren in Osteuropa zu Gewaltexzessen gegen Roma kommt, veranstaltet er Fußballturniere zwischen Polizei und Roma. Die Lebensgeschichte eines Fußballverrückten – und sein andauernder Kampf gegen Diskriminierung. Glaubwürdig und nachvollziehbar – handwerklich brillant. Zeigt die Integrationskraft des Fußballs, öffnet eine Welt, die man so nicht kennt.

Jurybegründung: Die Fußball-Legende Istvan Mezei widerspricht allen Klischees über Roma - die in Europa nach wie vor bestehen. Das audiophon brillant gemachte Feature öffnet eine Welt, die man so nicht kennt. Ein spannendes Panorama mitteleuropäischer Geschichte – erzählt aus der Sicht eines Rom. Das überzeugende Engagement für Fußball und gegen Diskriminierung hinterlässt einen tiefen Eindruck. Glaubwürdig und nachvollziehbar – formal wie inhaltlich herausragend.

CIVIS SPECIAL: Fußball und Integration >DIGITAL<
Scoring Girls

https://vimeo.com/275088930
Webvideo
HAWAR.help e. V.
Vertretungsberechtigt: D. Tekkal, T. Tekkal, T. Tekkal

Inhalt: Scoring Girls – Mädchen die Tore schießen. Ein Webvideo über ein Integrationsprojekt für jesidische, muslimische und christliche Mädchen im Alter von acht bis zwanzig Jahren. Die meisten stammen aus Flüchtlingsfamilien, aber auch aus sozial schwachem Umfeld. Trainiert werden sie von Tugba Tekkal in Köln. Die Jesidin war bis 2014 Profifußballerin. Sie ist überzeugt, der Fußball bringt die Mädchen über alle Unterschiede hinweg zusammen und macht sie selbstbewusst. Beim Fußball lernen sie, alles erreichen zu können - durch Fleiß und den Glauben an sich selbst. Zeigt die integrative Kraft des Fußballsports. Empowerment für junge Frauen.

Jurybegründung: Ein Webvideo über das Sport- und Integrationsprojekt „Scoring Girls“, das Mädchen aus Einwanderfamilien und schwierigen sozialen Verhältnissen durch das Fußballspiel über alle Unterschiede hinweg zusammenbringt und deren Selbstbewusstsein stärkt. Empowerment für junge Frauen. Das Video gibt Einblick in den Kontext der Spielerinnen, ohne gängige Rollenbilder zu bedienen. Es zeigt die integrative Kraft des Fußballsports. Dramaturgisch überzeugend – inhaltlich wie formal beeindruckend.

CIVIS SPECIAL: Fußball und Integration >DIGITAL<
WUMMS: Monsters of Kreisklasse: Religionen

https://www.youtube.com/watch?v=nzvWjXd1Lro
Webvideo
funk – Content-Netzwerk ARD/ZDF
Vertretungsberechtigt: Florian Hager, Stefan Spiegel, Dominique Ziesemer, Andreas Neumann, Amelie Herberg
Konzeption | Realisation: Steffen Heisterberg, Jesko Friedrich, Dennis Kaupp

Inhalt: Cartoon-Serie. Die immer wieder erfolglosen Amateur-Fußballer von „Borussia Hodenhagen“ spielen mit Gegnern verschiedenster popkultureller Franchises und anderer Themen. In dieser Folge trifft Hodenhagen auf Religionen – die eine Mannschaft bilden und zusammen spielen. Die Episode über-zeichnet satirisch die maßlose Überhöhung des Fußballsports, in dem Akteure als Gottgleich gelten, göttliche Hilfe durch „die Hand Gottes“ erhalten oder eine eigene Religion samt Fußballgott darstellen. Spielerisch werden die Weltreligionen im Kontext des Fußballs mit klugem Wortwitz bedacht. Für mehr Leichtigkeit und Toleranz – ohne die Würde zu verlieren.

Jurybegründung: In der >Social Media Cartoon- Serie< tritt ein typisches unterklassiges Amateur-Fußballteam gegen das Team Religionen an und erleidet eine herbe Niederlage. Satirisch-humorvolle Überzeichnung der maßlosen Überhöhung des Fußballsports, in dem Akteure als Gottgleich gelten. Anspielungsreich, mit über-zeugendem Wortwitz und Liebe zum Detail. Für mehr Leichtigkeit und Toleranz im Umgang mit den Religionen – ohne die Würde zu verlieren. Beeindruckend in Form und Inhalt.